Reisende Studentin am Flughafen

Universität Ljubljana, Slowenien

Blogeintrag 1 - Die kleine große Unbekannte

08.04.2015 | Universität Ljubljana, Blog

Eine europäische Hauptstadt lediglich doppelt so groß wie Würzburg. Ein Land von der Fläche Frankens mit der Hälfte an Einwohnern. Die Rede ist von Slowenien und der dazugehörigen Hauptstadt Ljubljana. Dem einen oder anderen womöglich bekannt durch die Fahrt in den Kroatien-Urlaub. Für ein Auslandssemester für die meisten unter euch wahrscheinlich völlig undenkbar. Zugegebenermaßen auch ich brauchte etwas Nachhilfe durch den Auslandsbeauftragten unserer Fakultät. Doch desto intensiver ich mich mit der Stadt Ljubljana beschäftigte, desto mehr Lust bekam ich darauf für die FHWS etwas Pionierarbeit zu leisten und den weißen Fleck auf der Landkarte zwischen Österreich und Kroatien zu erkunden.

Meine Expedition begann ab München, als ich von einem ICE in einen EC umstieg. Ich bin mir nicht sicher, für was EC in meinem Fall stand aber die übliche und allgemein anerkannte Übersetzung „Eurocity“ trifft jedenfalls nicht zu, da ich während meiner gesamten sechsstündigen Fahrt durch die weitreichende Alpenrepublik Österreich keine nennenswerte „City“ passierte. Nach zahlreichen unbeschrankten Bahnübergängen, die jedes Mal aufs Neue mit einem lauten und durchdringenden Drucklufthorn vom Zugführer freigeräumt wurden, erreichte ich am 19. Februar gegen 18:32 Uhr endlich meine neue Heimat für das kommende Semester.

Intuitiv (oder vielleicht auch zufällig) entschied ich mich im Tunnel unter den Gleisen für den richtigen Ausgang und fand nach kurzem Umherirren ein Taxi am nahezu ausgestorbenen Hauptbahnhof in Ljubljana. Nach wenigen Minuten erreichte ich preiswert per Taxi das bereits reservierte zentralgelegene Hostel, wo ich mit süßlichen Rauchschwaden freundlich empfangen wurde. Ein äußerst geräumiges 10m²-Vierbett-Zimmer musste für die anschließenden fünf Tage als Stützpunkt meiner Wohnungssuche herhalten.

Da ich prüfungsbedingt nur wenige Tage vor dem Semesterbeginn anreisen konnte, bekam ich direkt die Härte des ljubljanischen Wohnungsmarktes zu spüren. Schnell stellte ich fest, dass es hier in Slowenien unter Studenten scheinbar völlig normal ist, ein Zimmer mit einer weiteren Person zu teilen und die Wohnqualität im Allgemeinen nicht überbewertet wird. Nach einer kleinen Justierung meiner Ansprüche konzentrierte ich mich im weiteren Verlauf auf eine mehrgleisige Strategie, bei der ich auch bereit war Kompromisse einzugehen. Nach mehreren ergebnislosen Wohnungsbesichtigungen fand ich jedoch schließlich doch eine maßgeschneiderte, geräumige Erdgeschosswohnung, rund 2 km von meiner Maschinenbau-Fakultät entfernt. Vorsicht ist geboten, falls man sich den Stress einer Wohnungssuche vor Ort sparen will und stattdessen lieber auf eines der zahlreichen Angebote im Internet zurückgreift. Wie auch in anderen Städten Europas leider üblich, stößt man aus eigener Erfahrung auch in Ljubljana schnell auf Betrüger.

Doch nur wenige Tage nach dem Einzug herrschte direkt große Aufregung in meiner sonst sehr beschaulichen Siedlungsstraße. Ein Nachbar stand vor der Tür und wollte sich, mit leicht verdächtigenden Blicken erkundigen wo sein geliebtes Auto sei. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich mit dem Verschwinden seines 13 Jahre alten Peugeot 206 SW in burgunderrot nichts zu tun hätte und sicherte meinen im Hinterhof abgestellten Drahtesel sicherheitshalber mit einem zweiten Schloss. Glücklicherweise klingelte selbiger Nachbar am nächsten Tag erneut und erklärte den Fall für gelöst. Seine Frau muss den Wagen versehentlich zwei Straßen weiter abgestellt haben ohne sich daran erinnern zu können.

Von diesem kleinen Zwischenfall abgesehen fühlt man sich in der slowenischen Hauptstadt jedoch zu jeder Tages oder Nachtzeit völlig sicher. Das Stadtbild ist geprägt von den 64 000 Studenten und wird von einer Burg, die auf einem Hügel im Zentrum thront, dominiert. Eingekesselt von schneebedeckten Bergen lädt Ljubljana auch Mitte März noch in die nahegelegenen Skigebiete ein. Die Einwohner Ljubljanas sind äußerst offen und freundlich. Auch die Kommunikation auf Englisch stellt absolut keine Probleme dar. Ich behaupte sogar, dass das Sprachniveau der Slowenen über dem des Durchschnittsdeutschen liegt. Auch die Pünktlichkeit wird hier in Slowenien entgegen meiner persönlichen Erwartungen groß geschrieben, was angesichts von Vorlesungszeiten um 7:30 Uhr verdammt hart sein kann. Kommt man mit der Erwartung nach Slowenien, der deutschen Bürokratie entfliehen zu können, wird man diesbezüglich schnell vom Gegenteil überzeugt. Das einfache Ausstellen einer Boni-Card beispielsweise, mit der man als Student in vielen Restaurants satte Rabatte auf Mahlzeiten bekommt, ist ebenso schwierig zu erhalten wie der Passierschein A38.

Die ersten Eindrücke und Kontakte in der Uni waren ebenfalls sehr unkonventionell aber dennoch persönlich und herzlich. Dennoch fühle ich mich sehr wohl hier. Doch dazu neben Anekdoten aus dem Nachtleben mehr im folgenden Bericht.

Viele Grüße aus Ljubljana!

Lukas W.


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