Zwei Länder, ein Erlebnis: Wie ein internationales Praktikum unsere Sichtweise verändert hat
Eine völlig unbekannte Umgebung kann sowohl aufregend als auch herausfordernd sein. In diesem Sommersemester haben zwei Studierende genau diesen Sprung gewagt: Nyan, ein in Finnland studierender Student, der ein Praktikum an der THWS in Würzburg (Deutschland) absolviert, und Bilqis, eine deutsche Studentin, die an der TAMK in Tampere (Finnland) internationale Erfahrungen sammelt. Obwohl sie in entgegengesetzte Richtungen gereist sind, zeigen ihre Erfahrungen, wie wertvoll ein internationales Praktikum sein kann – nicht nur für die berufliche Entwicklung, sondern auch für das persönliche Wachstum.
Von der Neugier zu neuen Chancen
Für Nyan fiel die Entscheidung, sich zu bewerben, fast spontan, nachdem er im Dezember die Ausschreibung für das Praktikum gesehen hatte. Da er noch nie zuvor in Würzburg gewesen war, vereinte diese Gelegenheit zwei Dinge, die ihm wichtig waren: Berufserfahrung im Ausland zu sammeln und gleichzeitig in eine völlig neue Kultur einzutauchen. Sein Hauptziel war einfach, aber ehrgeizig: herauszufinden, ob er sich in einem neuen beruflichen und sozialen Umfeld behaupten könnte.
Bilqis hatte einen anderen Ausgangspunkt. Ursprünglich hatte sie nach Praktika in Deutschland gesucht. Nur durch Zufall stieß sie auf das internationale Praktikum. Da sie gerade ihren Bachelor-Abschluss in Internationalem Management abgeschlossen hatte, sah sie darin die perfekte Gelegenheit, ihren Horizont zu erweitern, internationale Berufserfahrung zu sammeln und ein Land zu entdecken, über das sie außer seinem Ruf für wunderschöne Natur kaum etwas wusste.

Der Arbeitsalltag in einem International Office
Beide Studierenden wurden Teil der internationalen Büros ihrer Gastuniversitäten, wo jeder Tag neue Lernmöglichkeiten bot:
An der THWS unterstützt Nyan als Student der Medien- und Kunstwissenschaften Projekte aus medien- und designbezogener Perspektive. Seine Arbeit reicht von der Entwicklung von Designkonzepten und der Erstellung von Kommunikationsmaterialien bis hin zur Visualisierung von Daten und Projektideen. Ein Aspekt, der ihm besonders gefällt, ist die Freiheit, Eigeninitiative zu zeigen. Neben seinen regulären Aufgaben hat er die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und diese gemeinsam mit seinem Betreuer und seinen Kollegen weiterzuentwickeln. Das Praktikum hat ihm zudem Einblicke in europäische Hochschulnetzwerke und internationale akademische Kooperationen verschafft – Bereiche, mit denen er sich zuvor noch nicht beschäftigt hatte.
An der TAMK arbeitet Bilqis unterdessen an einer Vielzahl von Projekten zur Unterstützung des International Office. Neben der Mithilfe bei der Projektarbeit und den täglichen Abläufen hat sie internationale Besucher empfangen und während ihres Aufenthalts in Finnland begleitet. Dank des umfangreichen Netzwerks der TAMK hatte sie zudem die Möglichkeit, an Forschungs- und Marketingprojekten in anderen Abteilungen mitzuwirken. Sie schätzt besonders die kooperative Atmosphäre und die ständige Gelegenheit, von Kollegen zu lernen. Wie sie selbst sagt: „Es wird nie langweilig.“
Deutschland und Finnland jenseits des Büros entdecken
Das Leben außerhalb der Arbeit war genauso bereichernd wie die Praktika selbst.
Vor seiner Ankunft hatte Nyan erwartet, dass Würzburg eine kleine und ruhige Stadt sein würde. Stattdessen entdeckte er eine lebendige Stadt voller historischer Architektur und pulsierender öffentlicher Plätze. Über Würzburg hinaus hat er es sich zum Ziel gesetzt, so viel wie möglich von Deutschland zu erkunden, und reist bei jeder Gelegenheit in Städte im ganzen Land. Wenn er nicht auf Reisen ist, verbringt er gerne Zeit mit Freunden, sei es bei Picknicks, Partys im Studentenwohnheim, in Clubs oder einfach beim Laufen durch die Natur. Die Freundschaften, die er während seines Aufenthalts geschlossen hat, sind zu einem der bedeutendsten Aspekte seiner Austauscherfahrung geworden.
Bilqis verliebte sich schnell in Tampere und dessen einzigartige Kombination aus pulsierendem Stadtleben und wunderschöner Natur. Ob beim Kaffeetrinken in der Innenstadt, beim Entspannen an einem der Seen oder beim Erkunden der umliegenden Wälder – sie schätzte es sehr, wie mühelos sich städtisches Leben und Natur miteinander verbinden. Besonders schätzte sie die einladende Atmosphäre der Stadt sowie die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, die sie kennenlernte. Während ihrer Zeit in Finnland erkundete Bilqis mit Freunden verschiedene Teile des Landes und nutzte die lebhaften Veranstaltungen in Tampere in vollen Zügen. Dabei verbrachte sie ihre Freizeit damit, lokale Bars zu entdecken, die vielen Second-Hand-Läden der Stadt zu besuchen und die atemberaubende Natur Finnlands zu erleben. Diese Momente machten ihren Austausch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Lernen, sich anzupassen
Im Ausland zu leben bedeutet auch, sich an ungewohnte Abläufe anzupassen:
Für Nyan waren die frühen Ladenschlusszeiten in Deutschland eine der größten Umstellungen. Da er gerne spontan ist, musste er sich erst daran gewöhnen, den Lebensmitteleinkauf im Voraus zu planen. Auch die deutsche Bürokratie erwies sich als zeitaufwändiger als erwartet. Im sozialen Bereich stellte er fest, dass es schwieriger sein kann als erwartet, deutsche Studierende vor Ort kennenzulernen, da viele internationale Studierende natürlich Zeit miteinander verbringen. Er hofft auf noch mehr Gelegenheiten, bei denen einheimische und internationale Studierende miteinander in Kontakt kommen können.
Für Bilqis war eine der größten Herausforderungen die Anpassung an eine neue Umgebung, nachdem sie mitten im finnischen Semester angekommen war. Auch wenn es anfangs vielleicht etwas beängstigend schien, neue Leute kennenzulernen, machten es Finnlands lebendige Studentenkultur und die vielen Veranstaltungen, die während des Semesters organisiert wurden, leicht, Kontakte zu knüpfen. Und obwohl das Erlernen der finnischen Sprache eine Herausforderung war, hat es sich als hilfreich erwiesen, ein paar Wörter und Redewendungen aufzuschnappen. Da sie im International Office arbeitete, wo alle Englisch sprachen, war die Kommunikation nie ein Problem.
Über die Erwartungen hinauswachsen
Rückblickend sind sich beide Studierenden einig, dass ihre Praktika weit mehr als nur berufliche Erfahrung geboten haben.
Nyan stellte fest, dass er viel kontaktfreudiger ist, als er gedacht hatte. Das Leben im Ausland hat ihn aus seiner Komfortzone herausgeholt und ihm geholfen, durch spannende wie auch schwierige Momente zu wachsen. Sein Rat an zukünftige Teilnehmer ist einfach: Die ersten Tage mögen überwältigend wirken, aber Offenheit und die Bereitschaft, neue Menschen kennenzulernen, machen den entscheidenden Unterschied.
Bilqis verlässt Finnland mit unvergesslichen Erinnerungen, einem tieferen Verständnis der finnischen Kultur und neuen, wertvollen beruflichen Fähigkeiten. Während ihres Praktikums gewann sie zudem mehr Selbstvertrauen darin, sich an neue Situationen anzupassen und Kontakte zu Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu knüpfen. Sie erweiterte ihr berufliches Netzwerk, schloss bedeutungsvolle Freundschaften und forderte sich selbst heraus, ihre Komfortzone zu verlassen.
Für beide ist die wichtigste Erkenntnis klar: Bei internationalen Praktika geht es nicht nur um die Arbeit, sondern um die Menschen, die man trifft, das Selbstvertrauen, das man aufbaut, und die Erfahrungen, die einem noch lange nach der Rückkehr in die Heimat begleiten.
Verfolge ihre Reise
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