Internationale Studentin und internationaler Student im Studiengang Robotik

Diakonie FH Helsinki, Finnland

Blogeintrag 5 - Frozen... far far away!

Der November neigt sich dem Ende zu... und nicht nur der November, auch mein Auslandsaufenthalt, noch drei Wochen und ein halbes Jahr voller Aufregungen, Emotionen, Höhen und Tiefen geht in den Endspurt.
Wer sagt, dass es in einem Auslandsaufenthalt nur Höhen gibt, der lügt. Das Leben ist nun mal nicht immer nur ein Zuckerschlecken. Trotzdem muss man auch daraus das Positive ziehen und für die Zukunft lernen.
Wie die letzten Wochen auch, habe ich im Jugendcenter meine Praktikumsstunden absolviert und anliegende Reports und Essays für die Uni geschrieben. Da ich in Deutschland auch eine Prüfung mitschreiben möchte, musste ich auch langsam mal anfangen, mir einen Überblick über den anfallenden Stoff zu verschaffen. That’s the business. Soweit der Stand was die Uni angeht... jetzt aber zum vergnüglichen Teil, da brennt es mir schon richtig in den Fingern!!

Wo soll ich anfangen? Lappland!! Ich möchte sagen, das war eines meiner absoluten Highlights hier in meiner Zeit in Finnland. Wer immer die Chance dazu hat, muss sich Wintersachen einpacken und dorthin reisen!
Aber ich muss gestehen, dass ich sogar erst unsicher war, ob ich nu mit nach Lappland fahren soll, denn erst mal ist das Reisen nicht so kontoschonend und zweitens wollte ich ja Polarlichter sehen, und die Wahrscheinlichkeit im November dort oben in Saariselkä welche zu sehen, war nicht sonderlich groß, da es oft wolkig und bedeckt ist.
Heute frage ich mich, wie ich überhaupt darüber nachdenken konnte, dort nicht hinzufahren!! Ich bin so froh, dass ich von meinen Mädchen den nötigen Schups bekommen habe und am 25. November in aller Herrgotts Frühe mit im Flieger nach Rovaniemi saß. Auf dem Weg zum Flughafen ging es aber gleich schon gut los, als der erst Zug ausfiel und leichte Panik aufkam. Aber wie immer alles halb so wild, wir konnten dann Helsinki aus dem Flugzeuginnern winken.

Lediglich ein Stündchen mit dem Flugzeug trennte uns von Rovaniemi, und so kamen wir um die Mittagszeit dort an, so dass wir sogar noch genügend Zeit hatten, das Santa Clause Village in der Nähe von Rovaniemi zu besuchen. Wir standen also im Napapiiri = Arctic Circle, und die Temperaturen waren sogar noch im Rahmen. Am Nachmittag ging es mit dem Bus weiter nach Saariselkä, ein 300 Seelen Dorf im Norden Finnlands nahe russischer Grenze, was man in diesem Fall wirklich ohne schlechtes Gewissen als „Arsch der Welt“ bezeichnen darf. In Lappland hatte es zum Glück eine Woche vor unserer Ankunft richtig schön geschneit, so dass wir eine schneebedeckte Landschaft vorfanden, die wohl ohne Zweifel den Namen Winterparadies verdient hat. Jedenfalls kamen wir gegen 4 Uhr am Nachmittag in unserem schnuckeligen Holzhäuschen an und es war bereits stockdunkel. Normalität für die Menschen dort, wenn es Winter ist.

Das schöne an dieser Reise war, dass wir eine richtig große Gruppe waren, die bunter nicht hätte sein können, und ich würde behaupten, dass das auch zu einem großen Teil dazu beigetragen hat, dass dieser Trip eine meiner schönsten Erinnerungen hier wurde.
Warum? Ganz klar, Lappland ist einfach eine ganz andere Welt... und was man hier erleben kann, ist einfach so fern ab von dem was wir kennen, so dass es ein ganz besonderes Erlebnis ist. Ich hatte wunderbare Abende mit der Gruppe, mit Gitarre und Gesang, mit Kartenspielen, mit affigen und ernsten Gesprächen, mit Lachflashs, die mich zu Tränen rührten, Saunagängen und einfach ein wahnsinns Gefühl.

Ich durfte Nordlichter sehen, was für mich Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen um Längen toppt. Nordlichter!!!! Der Wahnsinn, nein der Hammer!! Dieser Moment war einfach nur magisch und absolutes Glück für diese Jahreszeit! A dream came true!   
Um sie zu sehen, legten wir uns aber auch ordentlich ins Zeug und stiefelten in der Hundskälte eine Stunde auf einen Berg außerhalb der Stadt, weil dort die Lichteinflüsse der Stadtbeleuchtung geringer waren. Da denkt man zwischenzeitlich schon „wie blöd bist du eigentlich“? Es hatte am Abend fast -21 Grad und am Berg war es extrem windig... Aber was tut man nicht alles, die Chance bekommt man schließlich nicht so schnell wieder. Letztlich war es jeden Meter wert, und auch die abgefrorenen Finger nimmt man dafür in Kauf. Wenn man sieht, wie die Polarlichter den Himmel bemalen, ist man einfach nur glücklich und überwältigt – da gibt auch plötzlich die Aussage Kants einen Sinn, der die Beobachtung des bestirnten Himmels als eines der Dinge erkoren hat, die das Gemüt mit zunehmender „Bewunderung und Ehrfurcht“ erfüllen.
Neben dem Nordlichter-catchen, stand auch eine Huskytour auf dem Programm. Wir bekamen wärmegedämmte Schuhe, Ganzkörperanzüge und Rentierhandschuhe gegen die Kälte (darüber waren wir auch alle ziemlich froh, auch wenn diese Anzüge nun wirklich nicht Figur-vorteilhaft waren) und fuhren mit unserem Huskyguide in ein kleines Waldstück, wo die Hündchen auch schon auf uns gewartet haben. Es gibt doch einiges zu beachten, wenn man auf so einem Schlitten mit sechs angespannten Hunden steht. Zum Beispiel sollte man nicht beide Füße gleichzeitig von der Bremse nehmen, sofern man nicht akrobatikerprobt ist, denn die Tierchen düsen mit Karacho los, und in den Kurven sollte man sich ein bisschen mit hineinlehnen!
Ich war mir zwar nicht ganz so sicher, ob das so tierlieb war, aber die Chefs meinten ganz überzeugt, dass es für die Tierchen nichts Schöneres gibt. Und die Hunde haben sich richtig gefreut, als sie loslaufen konnten.
Wir durften sie danach sogar streicheln, und das waren zu meiner Überraschung wirklich ganz liebe Tierchen. Aber nicht nur Huskys konnten wir sehen, sondern auch Rentiere!! Als wir Langlaufen waren, sind sie kurz vor uns über die Loipe gehüpft, nachdem sie erst ein paar Meter daneben am Waldrand entlanggetrottet sind. Echte Rentiere!! Hautnah und in Farbe! Ich freue mich sehr, dass ich all das sehen konnte, bzw. durfte, was Lappland ausmacht und so wunderbar einzigartig macht!
Am Abend ging es erst mal in die Sauna. So eine Sauna ist echt super nach einem kalten und frostigen Tag. Und um die finnische Kultur und Tradition wieder richtig zu verinnerlichen, ging es nach jedem Saunagang raus in den Schnee – einmal im Tiefschnee gewälzt, gedacht man stirbt, und wieder rein in die Sauna! Das ist schon wieder so cool und verrückt, das würde man zuhause so nie machen...
Für uns Deutsche ist das einfach eine ganz andere Welt, wir kennen das ja so nicht, zumindest ich nicht, und das macht es wohl auch so besonders.   

Man darf aber auch nie vergessen, dass das für uns nur „Urlaub“
Ist. Die Leute die hier wohnen und das ganze Jahr, bzw. den ganzen Winter kaum Sonnenlicht haben, für die bedeutet das schon etwas anderes. Wenn dann die Sonne im Januar gar nicht mehr aufgeht und es -40 Grad hat, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und trotzdem sind die Menschen hier glücklich. Kein Wunder, es ist auch wirklich ein ganz besonderes Fleckchen Erde.
Die Zeit ging leider viel zu schnell vorbei, und der Dezember kommt immer näher!

Mein letzter Monat bricht an, und somit auch bald „time to say goodbye“...
 


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